Rettungsring
Ratingagenturen: Rettungsringe oder Auslöser von Teufelskreisen

Ratingagenturen sind privatwirtschaftlich geführte Unternehmen, die im Kundenauftrag die Bonität bzw. Kreditwürdigkeit von Unternehmen oder Staaten prüfen. Geprüft werden soll, ob ein Kredit zurückbezahlt werden kann und wie sicher die Zinszahlungen sein werden. Die Ratingagenturen ordnen die geprüften Unternehmen / Staaten nach eigenen Systemen in Qualitätskategorien, die über die Sicherheit von Kreditbetrag und Zinszahlungen Auskunft geben sollen. Diese Ratings sind für die Kunden der Ratingagenturen dann Grundlage für die Ausarbeitung der Kreditvergaben, haben Auswirkungen auf geforderte Zinsen und können auch Klauseln in den Kreditvereinbarungen begründen, wie z.B. eine vorzeitige Kündigung eines Kredits bei Verschlechterung des Ratings oder eine Zinserhöhung in diesem Fall.

Rating als gesetzlicher Auftrag

In den USA wurde 1963 von der Aufsicht über die regionalen National Banks (Comptroller of the currency) angeordnet, dass diese Banken nur noch in Unternehmen investieren dürften, die ein Mindest-Rating erfüllen. Damit wurden die Banken angewiesen, auf externe Ratingagenturen zurückzugreifen. Später, 1975, legte die US-Börsenaufsicht fest, das Unternehmen sich von zugelassenen Ratingagenturen prüfen lassen müssen, bevor sie zum US-Aktienmarkt zugelassen werden. Damals zugelassen waren ausdrücklich nur Standard & Poor's, Moody's und Fitch Ratings, bis 2011 kamen noch 7 weitere Agenturen - Kroll Bond Rating Agency, A. M. Best Company, Dominion Bond Rating Service, Japan Credit Rating Agency, R&I Inc., Egan-Jones Rating Company und Realpoint – dazu.

Ratingagenturen in Europa

Auch in Europa sind Ratingagenturen von Aufsichtsbehörden gefordert und anerkannt. So sieht in Deutschland die Solvabilitätsverordnung seit Januar 2007 vor, dass externe Ratings ein einigen Fällen heranzuziehen sind. Verschiedene Gesetze und Verordnungen auf europäischer und nationaler Ebene verpflichten Banken und Versicherungen zu Anlagen mit Mindestanforderungen an ein externes, von einer Ratingagentur vergebenen Ratings. Nur eine europäische Ratingagentur ist in Europa anerkannt: Die Euler Hermes Rating GmbH wurde von der Euler Hermes Gruppe (Einer Französischen Kreditversicherung) 2001 als eigenständige und unabhängige Ratingagentur in Hamburg gegründet. Am 16. November 2010 erhielt sie die Anerkennung und Registrierung als Credit Rating Agency (CRA) in Europa. Die Europäische Zentralbank nutzt zum Beispiel nur die drei bekannten US-Amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch Ratings sowie den Dominion Bond Rating Service. Auch für die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen sind diese vier die einzigen, erlaubten Ratingagenturen.

Aus dem Interesse von Investoren und Kreditgebern in eine unabhängige Bewertung von Schuldnern ist inzwischen eine gesetzlich verankerte Funktion der Ratingagenturen entstanden. In Europa kann keine Rating-Agentur gegründet werden, ohne dass sie von der EU genehmigt wird. Die EU kann vorhandenen Agenturen bei Verstößen gegen EU-Recht die Lizenz entziehen. Die Aufsicht über die Häuser liegt bei der europäischen Wertpapieraufsicht European Securities and Markets Authority (ESMA) und den Behörden der Mitgliedsstaaten.

Kritik an den Ratingagenturen

Tatsächlich sind wegen der hohen Ansprüche an die Qualität der Rating-Agenturen keine schnellen oder unbedachten Neugründungen von Ratingagenturen möglich, Neuzulassungen als Ratingagentur sind selten. Als Resultat erhöht sich die Bedeutung der wenigen, bestehenden Ratingagenturen. Seit Beginn der Finanzkrise 2007 stehen die Ratingagenturen in der Kritik. Abstufungen im Rating von einzelnen Unternehmen oder gar Staaten führen in der Regel zu einem Teufelskreis: Ein geringeres Rating bedeutet eine Verteuerung der Kredite, was wiederum eine Reduzierung des Gewinns bzw. des Verlustes des Kreditnehmers bedeutet, was wiederum zu einer Verschlechterung des Ratings führt. Das ursprünglich als Sicherheitssystem gedachte Rating durch die Agenturen entwickelt eine Eigendynamik, die zum Bankrott ganzer Staaten führen kann.

Foto: Markus Lenk